TEC-Kurse oder Sporttauchkurs?

Was ist eigentlich der Unterschied. Diese Frage stellt sich sicherlich der eine oder andere wenn man seine Tauchweiterbildung plant. Grundsätzlich unterscheidet sich das technische Tauchen vom Sporttauchen in der weiße, das beim technischen Tauchen kein direkter Aufstieg an die Wasseroberfläche möglich ist. Sei es aufgrund von Dekoverpflichtungen oder weil einfach eine Overhead Situation (durch Penetration in Höhlen, Wracks) besteht.
Und genau diese Tatsache macht den Unterschied bei den vielen Notfallszenarien aus.
Beim Sporttauchen besteht die Lösung darin, dass der Tauchgang kontrolliert abgebrochen wird. Beim technischen tauchen müssen die Probleme unter Wasser gelöst werden.
Dies bedeutet:

  • Anpassung der Tauchausrüstung,
  • Anpassung der Notfallszenarien (Skills),
  • Erweiterung der Tauchfähigkeiten.
  • Körperliche Fitness

Hier beginnen nun die Probleme, Die Taucherausrüstung ist oft so konfiguriert, das Ventile nicht erreichbar sind. Ausrüstungsgegenstände an den falschen stellen montiert sind, so dass sie den Taucher behindern, sich irgendwo verheddern können oder auch nur unkontrolliert herumhängen. Anzüge die notwendige Bewegungsfreiheit nicht zulassen, Verbindungen sich ungewollte lösen oder einhacken, Das Blei an den falschen Stellen montiert ist, so dass die Wasserlage (Trimm) nicht stimmen.

So und hier möchte ich nun mal einhacken.
Die Grundlage für sichere Tauchgänge egal ob Technische- oder Sporttauchgänge sind erst einmal identisch.

  • Korrekte Ausrüstungskonfiguration,
    stabile Wasserlage,
  • Situationen UW für Buddy und Umgebung wahr nehmen (Awareness),
  • Grundverständnis für Tauch- / Dekompressionstheorien,
  • Ein paar Notfallübungen beherrschen,
  • Nicht zuletzt sollte man alle Basics beherrschen, welche man in der Anfängerausbildung gelernt hat auch in komplizierteren Situationen.

Obige Punkte haben eigentlich mit dem TEC-Tauchen noch nichts zu tun, sind jedoch die Voraussetzung um technische Tauchgänge sauber und sicher durchführen zu können.
Deshalb haben fast alle technischen Tauchverbände Grundlagenkurse (Fundamentals) eingeführt.

Grundsätzlich sollte auch jeder Sporttaucher zumindest ab einem bestimmten Niveau mit diesen Fähigkeiten vertraut sein. Die Praxis zeigt jedoch, dass es (oft auch bei sehr erfahrenen Tauchern) hier immer wieder Defizite gibt, die es gilt auszumerzen.

“Ist ja easy, alles kein Problem“
Das höre ich da immer wieder sehr überzeugt. Doch schon im ersten Tauchgang stellt sich heraus, es ist nicht so einfach wie man dachte.

Tiefe sauber halten, das geht ja meistens noch, doch dann auf der Stelle bleiben ohne mit den Händen zu Rudern. UPPS!!
Dann auch noch ein einfache Aufgabe Lösen (z.B. Fini Ablesen) Merkt Ihr was? Jetzt wird interessant!

Wenn das bei den Übungen schon nicht funktioniert, dann braucht man sich nicht wundern, wenn das geringste Problem unter Wasser eskalieren und zu einem Tauchunfall führen kann.

Beispiel: Abblasender Automat.
So sollte es gehandhabt werden.

  • Awareness (Buddy sollte die Situation erkennen).
  • Beide Taucher müssen die Tiefe halten, aufeinander zu schwimmen, dann stehen bleiben (kein Flossenschlag mehr, ggf. ein Flossenschlag zurück).
  • Jetzt kann in aller Ruhe das richtige Ventil zugedreht und der Atemregler gewechselt werden. Problem gelöst! Optimal wäre natürlich das eigene schließen des Ventils.

Real passiert oft folgendes.

  • Der Buddy bekommt das Problem gar nicht mit und taucht weiter.
  • Der Taucher mit dem Abblasenden Automat ist nun auf sich selber gestellt. Seine Lösung ist der Aufstieg, welcher meistens als unkontrollierter Notaufstieg endet.

Falls der Tauchpartner doch die Situation seines Buddys mitbekommt, können folgende Situationen eintreten.

  • Beide Taucher sind nun auf die Lösung des Problems Fokussiert. Ggf. weitere Mittaucher werden nicht mehr wahrgenommen und können in der Gruppe verloren gehen.
  • Der Partner dreht das falsche Ventil zu, oder das Ventil ist wegen der Schlauchführung gar nicht bedienbar.
  • Da man sich nun mit dem Abblasenden Automaten beschäftigt, fehlt eine optische Referenz.
  • Die Höhe wird nicht gehalten, beide Taucher Flosseln wild umher.
  • Entweder man sinkt ab, Sediment wird aufgewirbelt, Sichtverlust, Partnerverlust, Panik, kann eintreten.
  • Oder man steigt ungewollt auf ins Freiwasser. Beide Taucher müssen nun trotz abblasendem Automaten im Freiwasser meist auch ohne optischen Bezugspunkt nachtarieren. Ggf. wird über tariert eine Pendelbewegung kann eintreten.
  • Die Buddys verlieren sich nun definitiv, unkontrollierter aufstieg kann die Folge sein.

Das alles muss nicht sein.

Deshalb habe ich mich dazu entschlossen, die Grundlagenausbildung etwas mehr in Vordergrund zu stellen. Der passende Kurs hierzu nennt sich TEC-Fundamental.

Neben der Standard-Flossenbewegung werden noch verschiedene andere Techniken gelehrt, mit Hilfe derer sich der Taucher in jede beliebige Position manövrieren kann ohne seine Hände benutzen zu müssen – und ohne die Sicht um sich herum zu verschlechtern. (Ach ja: Das kann doch auch jeder Fotograf gut gebrauchen, wenn die Hände an der Kamera sind um sich optimal zu positionieren).
Blei an der falschen Stelle führt fast unausweichlich zu schlechtem Trimm, wohingegen der Einsatz von ungeeigneten Flossenblättern das Ausführen von komplexen Bewegungsabläufen, welche zum Beispiel für das Rückwärtsschwimmen erforderlich wären, stark erschweren. Ein falsch eingestelltes Harness hat meist die Unerreichbarkeit der eigenen Flaschenventile als Konsequenz. Weitere ausrüstungsbezogene Fragen, betreffend der Nicht-Eignung von z.B. Neoprenanzügen für das Trockentauchen oder die Verwendung von Karbonflaschen schließen sich an die Ausrüstungsthematik an.

Mit sogenannte Dry-Runs übt man bestimmte Abläufe erst einmal im Trockenen: Bolt Snap clippen, Out of Gas-Situationen, Flossentechniken und mehr werden an Land geübt bis es passt – dann fällt die entsprechende Übung auch unter Wasser leichter. Sinn und Zweck ist es, bestimmte Abläufe zur Routine werden zu lassen, sprich auf Situationen reagieren zu können, ohne erst nachdenken zu müssen welcher Schritt als nächstes kommt.
Im Wasser werden dann natürlich die Übungen ergänzt, ein Maskenwechsel ohne Verlust von Trimm und Tarierung sollte dann genau so leicht möglich sein wie das oft im OWD Kurs gelernte (manchmal auch gehasste) „Maske ausblasen“. Teamtauchen bekommt eine ganz neue Bedeutung, und man lernt sehr schnell zu schätzen, wie schön es ist wenn der Buddy eine gewisse Awareness an den Tag legt.

Warum das ganze Tamtam?
Grundsätzlich wünscht man niemandem ein Problem, und bei jeder Tauchgangsplanung und Vorbereitung wird Wert darauf gelegt, das Auftreten von Komplikationen im Vorfeld zu minimieren. Ausschließen kann man Probleme aber nie: Das fängt schon mit gerissenen Maskenbändern an und geht über geplatzte Schläuche, verheddern in Leinen, Flossenverlust. All das sollte man irgendwann blind beherrschen – ohne Tarierung zu verlieren, ohne sich auf den Grund zu knien – was ja auch nicht an jedem Drop Off möglich ist. Und natürlich ohne einen oft gelehrten „Notaufstieg“ hinzulegen. Gerade bei technischen Tauchgängen ist das auf Grund von Dekoverpflichtung oder Penetrationstiefe nicht ratsam oder möglich.
Durch ein erfolgreich absolviertes Training und durch Verinnerlichung der Lösungsstrategien, steigt nicht nur das Selbstbewusstsein sowie das subjektive Sicherheitsgefühl sondern damit auch der fühlbare Spaß am Tauchgang. Nebenbei sinkt auch die tatsächliche Anfälligkeit für Tauchunfälle deutlich durch die neu erworbenen Fähigkeiten.

Schreib einen Kommentar